Von Franziska geschrieben am 05.12.2011
“ Letzte Woche erhielt ich viele aufmunternde Grüße von Menschen, die sich dieses Jahr an den vielen erfolgreichen Aktionen gegen den Castortransport ins Wendland beteiligt hatten. Die vielen Schilderungen – beispielsweise von Bezugsgruppen aus Sitzblockaden die an der Schienenstrecke unterwegs gewesen waren – ließen mich indirekt einen Teil der Proteste miterleben. Ich merke, dass es nach wie vor eine starke vielfältige Bewegung gibt und wir noch vieles schaffen können! Das und auch dass Menschen draußen immer wieder in Gedanken bei mir sind, gibt mir Kraft.
Ich erfahre insgesamt viel Unterstützung. Letzten Donnerstag gab es sogar eine Kundgebung für die ich nach den Castorprotesten für drei Tage inhaftierte Cécile Lecomte und für mich vor dem Knast.
Bereits am Nachmittag informierte mich eine Beamtin darüber dass eine Kundgebung angemeldet sei und das es mir verboten sei zu rufen oder auf die Balkone zu treten (letzteres ist hier grundsätzlich verboten), dass ich aber am Fenster stehen und winken dürfe. Einige Mitinsassinnen waren dann auch ganz neugierig und liefen mit mir pünktlich um 19:00 Uhr in den dritten Stock, ob wohl ich ihnen beteuerte, dass die Kundgebung bestimmt nicht pünktlich beginnen würde. Da die Sicht weniger gut war als erhofft, standen wir letztendlich zu viert im Garten, von wo aus wir durch zwei Gittertore Sicht auf einen Teil der Kundgebung hatten und diese auch hören konnten. Die Kundgebung bewegte nicht nur mich, sondern offenbar auch andere Mitgefangene. Eine Frau, die durch das Fenster zugehört hatte, sagte anschließend die Musik hätte ihr sehr gefallen und besonders gefreut hätte sie sich, dass am Ende alle Gefangenen gegrüßt worden seien.“