Archiv der Kategorie 'Aktuelles aus dem Knast'

Danke an euch alle!

Hallo liebe Menschen in der (leider nur relativ) freien Welt,

seit gestern Morgen bin ich wieder „draußen“. Ein seltsames Gefühl so plötzlich die Realität zu wechseln, denn dort hinter Gittern befindet sich tatsächlich eine „völlig andere Welt“. Die Menschen, die gerade noch um mich waren, sind plötzlich weg – dafür habe ich mein geliebtes persönlich-politisches Umfeld wieder. Und weg sind zum Glück auch die seltsamen Regeln, die Starrheit, die Routine. Weg ist der komische Alltag, in dem es alle par Stunden eine Zäsur wie Zählung, Essensausgabe, etc. gab, die meine Zeit in bizarr unpraktische Häppchen verwandelte. (mehr…)

Antiatomaktivistin wird morgen aus Haft entlassen

Die seit Oktober in der JVA Frankfurt III inhaftierte Anti-Atom-Aktivistin Franziska Wittig wird morgen, am 21. Dezember, gegen 8.30 Uhr ,entlassen werden. Sie hatte im November 2008 gemeinsam mit weiteren Aktivist_innen einen Castortransport auf dem Weg ins wendländische Gorleben mit einer Ankettaktion an einen Betonblock aufgehalten.

Franziska hat sich entschieden, die Strafe von 80 Tagessätzen nicht zu bezahlen. Während ihrer Haft hat sie in zahlreichen Briefen berichtet, wie der Alltag in der JVA aussieht. „Dieses System soll Menschen brechen und normieren. Strafen, insbesondere Haftstrafen, zerstören Existenzen und stehen einem konstruktiven Umgang mit Konflikten im Weg. Knäste sind keine Lösungsoption, denn gesellschaftliche Konflikte lassen sich nicht wegsperren.“ so Franziska.

Mit dem Ende von Franziskas Haft am morgigen Mittwoch ist die juristische Auseinandersetzung bzgl. dieser Castor-Blockade jedoch noch nicht beendet, denn es laufen noch immer Ordnungswidrigkeitenverfahren vor dem Amtsgericht Potsdam gegen die damaligen Unterstützer_innen.

Franziska wird morgen früh von Freund_innen von der JVA in Preungesheim abgeholt werden.

Unterstützung

Von Franziska geschrieben am 05.12.2011

“ Letzte Woche erhielt ich viele aufmunternde Grüße von Menschen, die sich dieses Jahr an den vielen erfolgreichen Aktionen gegen den Castortransport ins Wendland beteiligt hatten. Die vielen Schilderungen – beispielsweise von Bezugsgruppen aus Sitzblockaden die an der Schienenstrecke unterwegs gewesen waren – ließen mich indirekt einen Teil der Proteste miterleben. Ich merke, dass es nach wie vor eine starke vielfältige Bewegung gibt und wir noch vieles schaffen können! Das und auch dass Menschen draußen immer wieder in Gedanken bei mir sind, gibt mir Kraft.

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Brief vom 30.11.2011

Franziska wird schon am 21.12.2011 entlassen!

Geschrieben von Franziska am 30.11.2011

“ Hier gibt es ein „Schwarzes Brett“ für wichtige Bekanntmachungen. Da steht zum Beispiel das Scheren verboten sind, wie viele Kleidungsstücke jede haben darf und dass die Seelsorgerin zur Advendsfeier einläd. Seit einiger Zeit findet sich dort auch folgende Bekanntmachung der Anstaltsleitung: (mehr…)

Brief von Franziska vom 23.11.2011

Brief von Franziska vom 23.11.2011

„Verschubung ist hier immer wieder ein Thema. Ich hatte Glück und Unterstützung, so dass eine Verschiebung meiner Verhandlung erreicht werden konnte und so die Verschubung abgesagt wurde. Anderen geht es nicht so gut. Seit heute früh ist eine Frau, die mit mir auf einer Station wohnt, per Schub nach Bühl unterwegs, weil sie am Freitag in Baden-Baden Verhandlung hat. Immerhin ist sie „nur“ zwei Tage unterwegs, morgen abend soll sie ankommen. Doch für eine Person, die an chronischen Rückenschmerzen leidet und deshalb seit acht Jahren Schmerzmittel bekommt, ist auch ein zweitägiger Transport nur schwer auszuhalten. Die Anstaltsärztin diagnostizierte sie als schubfähig, obwohl einschlägige Atteste vorliegen und auch eine Psychologin hier in der Anstalt sagte, dass meine Mitgefangene nicht schubfähig sei.
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Umzug & Ausgang

Geschrieben von Franziska am 15.11.2011

“ Heute war Umzug. Von A nach B. Der offene Vollzug hier ist in sechs Stationen unterteilt: A – F. In jeder Station gibt es eine Küche, einen Fernsehraum und knapp zehn Hafträume. A ist im Erdgeschoss gleich hinter der Pforte. Das hat zwar den Vorteil, dass frau dort die Zählungen kaum verpassen kann – morgens bin ich sogar immer (außer heute) schon durch das Fußgetrappel im Gang rechtzeitig aufgewacht. Aber das bedeutet auch sonst eine höhere „Lärmbelastung“. Jeder Gang zur Pforte, den eine Mitgefangene macht, ist zu hören. Immer wieder gibt es Gespräche auf dem Gang vor den Zellen. Zudem stehen die Insassinnen auf Station A lagebedingt unter stärkerer Beobachtung.
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Offen oder geschlossen?

Von Franziska geschrieben am 08.11.2011

„Schon letzte Woche ist es hier im offenen Vollzug immer voller geworden. Das liegt vor allem daran, dass viele aus dem geschlossenen Vollzug hierher verlegt wurden. Dort soll, wie erzählt wird, noch voller sein. Während sich einige freuen hier zu sein, wo einiges freier und flexibler ist, wünschen sich andere zurück in den geschlossenen Vollzug. Sie zählen dessen Vorzüge auf: mehr Aufschluss als hier (Viele sagen Dinge wie: „Was bringt das? Du hast hier zwar den ganzen Tag die Tür theoretisch offen, darfst aber trotzdem nicht aus deiner Zelle!“), Sportprogramme, Radio, bessere Bibliothek,… Auch Kleinigkeiten werden genannt, so vermisst eine beispielsweise die Milch, die drüben regelmäßig einmal wöchentlich ausgegeben wird. Vorteile hier wie zum Beispiel der Wegfall der Postkontrolle sind für viele nicht relevant, da sie eh kaum Post erhalten. Die von allen Gefangenen erstrebten Ausgänge sind erst nach längerer Prüfung möglich, und die meisten der „Neuzugänge“ werden in kürze regulär entlassen oder hoffen auf Weihnachtsamnestie. (mehr…)

Franziska bekam Besuch

Von Franziska geschrieben am 05.11.2011

“ Diesen Mittwoch hatte ich meinen ersten Besuch. Erstritttenen Besuch. Grundsätzlich ist hier Besuch alle drei Wochen möglich. Immer Mittwochs zwischen 13 Uhr und 15 Uhr – sofern Platz ist. Zuvor muss der Besuch aber beantragt werden.

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Gedanken zum Verschub

von Franziska geschrieben am 1.11.11

“ Meine Pinnwand lebt. Zwar habe ich keine Pinnadeln aber Tesafilm. So kommen täglich neue Postkarten und anderes dazu. Ein großes Plakat „Atomausstieg ist Handarbeit“ und ein paar alte Fotos aus meiner Kindheit habe ich da zu Beginn aufgehängt. Inzwischen habe ich viel Post bekommen, von der ein Teil an meiner Pinnwand hängt und immer wieder erneuert, umsortiert wird: künstlerisch wertvolle Postkarten, Fotos vom Haftantritt, Bilder von Atomprotesten und Widerstandsformen, Gedichte (Rilkes Panther, Fried über Gewalt,…), schöne bunte Zeichnungen von noch kleinen Menschen, sinnhafte und sinnfreie Sprüche – unglaublich was da auf nichtmal zwei Quadratmetern Platz findet.
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Protestfax für Franziska

Die in Frankfurt inhaftierte Anti-Atom-Aktivistin Franziska soll ab der zweiten Novemberwoche nach Berlin verlegt werden. Anlass ist ein Prozess wegen einer Aktion gegen Gentechnik.
Termine sind 29.November, 8.Dezember, 13.Dezember, 15.Dezember, und 22.Dezember am Amtsgericht Berlin Tiergarten. Diese „Verschubung“ nach Berlin kann mehrere Wochen dauern und in dieser Zeit könnte sie weder Besuch noch Briefe bekommen. Außerdem wird sie in Berlin deutlich härteren Haftbedingungen ausgesetzt sein. Angesichts der Tatsache, dass es sich um einen Prozess wegen einer absoluten Kleinigkeit handelt haben wir beschlossen, die Richterin am Berliner Amtsgericht aufzufordern, den Prozess einzustellen oder mindestens auf Januar zu verschieben, wenn Franziska wieder draußen ist. Wer es deutlicher formulieren will, kann das gerne tun.
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